Am Anfang war sie gelb. Und unverkäuflich. Doch dann entdeckte Ikea, dass man die Tasche, die eigentlich nur für den Laden gedacht war, auch verkaufen kann. Seither gibt es Brattby in Blau. Und das hat Folgen für Waschküchen, Flohmärkte und Reisegepäck.

An der Recycling-Station entsorgen zwei Studenten Überbleibsel vergangener Partynächte. Die klebrigen Flaschen haben sie in eine blaue Tasche gefüllt. Aus robuster Plastikplane, mit blauen Tragebändern, auf denen in Gelb «Ikea» steht. Eine Tasche ohne feste Form. Aber das ist gerade das Gute: «Hier geht viel rein», sagt der eine der beiden Studenten. «Die Tasche steht bei uns auf dem Balkon, und das Leergut stellen wir laufend da rein», sagt der andere. «Wenn sie zu stinken beginnt, können wir sie in der Badewanne abduschen.»

Brattby als Wäschekorb

In Studenten-WGs sind die blauen Taschen beliebt. Nicht nur als Altglascontainer. Sie haben es auch zur Nummer eins unter den Wäschekörben geschafft. Schliesslich kostet so eine Ikea-Tasche nur einen Franken und ist bei Nichtgebrauch platzsparend zusammenrollbar.

Ikea-Tachen

Auch gestandene Hausfrauen sind umgestiegen. «Nach einer Knieoperation musste ich an Krücken gehen», erzählt eine 58-Jährige, die von billigem Plastikkram eigentlich nicht viel hält. «Dank der Taschen konnte ich weiterhin die Wäsche in die Waschküche und wieder hoch tragen – mit einem Wäschekorb wäre das nicht gegangen.» Das Knie verheilte, die Krücken wurden überflüssig – die Taschen blieben. «Wenn ich mir die Wäsche im Ikea-Sack über die Schulter hänge, habe ich die Hände frei und kann zusätzlich noch anderes vom Keller mit hoch nehmen.»

Brattby als Badetasche

Auch als Ferienbegleiter macht die blaue Tasche Karriere: Gut, die Kleider werden immer noch feinsäuberlich in Reisetaschen verstaut (am besten in den genialen Packwürfeln, die Andrea von Anyworkingmom so lobt). Doch das Campingzeug samt Bettsachen findet wunderbar Platz in der ausladenden Plastiktasche. Die, einmal am Strand angekommen, sofort bereitwillig eine neue Rolle übernimmt: als Sammelbecken für Förmchen, Schaufeln und die ganzen Sändelisachen.

Brattby als Trödelsammler

Gerade weil es so unförmig ist, macht das blaue Platzwunder alles mit: Für den Hobbygärtner spielt es den Komposteimer. Der jungen Frau dient es im Keller als Lagerplatz für allerlei Trödel und begleitet sie später auf den Flohmarkt. Auch als mobile Babybadewanne soll der halbwegs dichte Sack schon getestet worden sein.

Nur der Name der Tasche konnte sich – anders als bei vielen anderen Ikea-Produkten – nicht so recht durchsetzen: Wer weiss schon, dass sie Brattby heisst? Den meisten kommt es vor, als gäbe es den Plastiksack immer schon – oder mindestens so lange wie das schwedische Möbelhaus. Dabei produziert Ikea die Tasche erst seit 1987. «Ikea wollte den Kunden eine Möglichkeit bieten, kleinere Einkäufe in einer grossen, aber leichten Tasche bis zur Kasse zu transportieren», erläutert eine Ikea-Sprecherin. Die erste Taschengeneration gab es nur in Gelb und musste an der Kasse abgegeben werden. Als immer mehr Kunden dies unpraktisch fanden, liess sich Ikea eine Verkaufstasche einfallen. In Blau. Weshalb ein gelber Ikea-Sack in freier Wildbahn einen eher seltenen, da stets verräterischen Anblick bietet.

2006 hat die Familie der Ikea-Taschen Zuwachs bekommen: «Brattby» blau gibt es nun auch in mini. Die kleinere Tasche hat Rucksäcke und Handtaschen im Sturm erobert. Zusammengefaltet schlummert sie vor sich hin, um bei Bedarf zum Einsatz zu kommen. Vor allem in der Umgebung von Unis taucht die kleine Blaue gehäuft auf. Schliesslich finden zwei Bundesordner darin Platz. Und auch in der Nähe von Kinderspielplätzen ist sie eine gerngesehene Hilfe, um Outdoor-Spielsachen separiert von anderem Kinderkram unten im Buggy zu transportieren.