Wie ich mit meinen Kindern einen Grosseinkauf machen wollte. Und wie die nächste halbe Stunde meinen Alltag nachhaltig veränderte.
Weil es wirklich an allem fehlte, verfrachtete ich die Mädels ins Auto und fuhr in einen grösseren Supermarkt. Als wir uns den Einkaufswagen holten, fingen die Probleme an. Die Grosse wollte nicht – wie von mir geplant – laufen, sondern musste U.N.B.E.D.I.N.G.T ins Kindersitzchen. Nun hatte ich aber keinen vernünftigen Platz mehr für die Kleine. So verfrachtete ich sie notgedrungen in den grossen Korb des Einkaufswagens. So weit, so gut. Wir kamen in dieser Formation ohne grössere Zwischenfälle durch die Gemüseabteilung und am Brotregal vorbei. Bei den Milchprodukten wurde es langsam eng im Wagen. Ich schob die Kleine auf die eine Seite und stapelte auf der anderen die Einkäufe. Die leicht zerbrechlichen Dinge eher oben, wie es sich gehört.

Schwerkraft in Zeitlupe

Ich war gerade auf Höhe der Käsetheke, als ich im Augenwinkel sehen konnte, wie die Kleine sich interessiert mit einer 10er-Packung Eier beschäftigte. Und dann – ich schwör’s – wurde die Szene in Zeitlupe versetzt. Ich hechtete von rechts, aus der Käsetheken-Position, zum Wagen und versuchte den Eierkarton zu greifen. In der gleichen Zeit drehte sich die Kleine nach links ab und überliess die Packung mit einem seligen Lächeln der Schwerkraft.

Entsetztes Gesicht und lautes Heulen

Ich muss noch kurz erwähnen: Wir hatten an jenem Tag bereits eine zweistündige Reise hinter uns. Und es war mein Geburtstag. Und überhaupt. Da stand ich nun in einer Lache aus Eiweiss und Eigelb. Die Grosse war beim Aufprall der Schachtel derart erschrocken, dass sie zu heulen begann «Warum sind die Eier kaputt? Ich will die Eier essen!» Und wahrscheinlich war es auch das entsetzte Gesicht der Mutter, das sie ernsthaft verunsicherte. Ich hätte am liebsten mitgeheult.

Digitaler Warenkorb ohne Kind

Irgendwie schaffte ich es, einen Mitarbeiter ausfindig zu machen, der die Lache aufwischte. Wie in Trance schob ich den Wagen zur Kasse, bezahlte, lud Einkäufe und Kinder ins Auto und fuhr nach Hause. Auf der Fahrt erinnerte ich mich an das Gespräch mit einer Freundin.  «Wir bestellen unsere Einkäufe jetzt häufig online.» Mein Mann wunderte sich zuhause, dass nur Früchte, Gemüse, Brot und Milchprodukte in den Tüten waren.

Die übrigen Produkte waren die ersten, die ich abends im Online-Supermarkt in meinen digitalen Warenkorb zog. Da sass kein Kind drin.

Kühlschrank-Selfie

Dank iPhone-App kann ich meine Einkäufe seither auf dem Weg zur Arbeit, in der Mittagspause oder nach meinem zweiten Feierabend erledigen. Damit ich unterwegs weiss, was benötigt wird, mache ich morgens je ein Foto vom offenen Kühl- und Vorratsschrank. So geht Effizienz.

Onlineshopping
Darum ist der Online-Supermarkt meine Rettung. Weil ich als berufstätige Mutter in der Nicht-Büro-Zeit lieber mit meinen Kindern zuhause Kaufmannsladen spiele.

Wer nicht auf das Live-Erlebnis Supermarkt verzichten möchte, für den hat die Britin Jess in ihrem Blog Wry Mummy einen 7-Punkte-Plan entwickelt. Am besten gefällt mir Punkt 7, «einfach lächeln». Das ist mir an jenem historischen Montag leider nicht gelungen.