Auf genereller Ebene haben wir diese Frage längst geklärt: beide ein bisschen, keiner ganz. Wir sind Eltern und Erwerbstätige. Aber wie ist die Situation im Ausnahmefall? Wenn eines der Kinder krank ist und nicht in die Kita kann? Wer bleibt dann zuhause?

Das war meine grösste Angst, als ich nach dem Mutterschaftsurlaub #1 wieder zurück an meinen Arbeitsplatz kehrte. «Was mache ich, wenn sie krank ist und wir im Büro beide nicht fehlen können?» Von allen Seiten wurden wir gewarnt: «Sobald sie in der Kita ist, geht kein Virus mehr an euch vorbei.»

Kranke Kinder - berufstätige Eltern

Da ich gerne auf der sicheren Seite bin, hatte ich schon vor der Schwangerschaft damit begonnen, Urlaubstage zu horten. Der Ferienanspruch wird durch den Mutterschaftsurlaub (wenn man nur die offiziellen Wochen nimmt) nicht gekürzt. So konnte ich mir ein rechtes Polster ansparen.

Vom Gesetz her sind in der Schweiz drei Betreuungstage pro Krankheitsfall erlaubt. Davon wusste ich damals noch nichts. Ich hatte nur immer mitbekommen, wie links und rechts von uns alle ins Rotieren gerieten, wenn der Nachwuchs krank war. Denn gesetzlicher Anspruch hin oder her: Die ungeplanten Betreuungstage lassen sich in der Realität nur selten problemlos organisieren. Da ein Meeting mit 15 Beteiligten, dort die Abschlussphase für ein Projekt. Oder auch einfach ein Chef, der bereits durchblicken liess, dass er bei weiteren Fehltagen wohl nach einem anderen Mitarbeiter umschauen müsse.

Es gibt unzählige Gründe, warum es «jetzt gerade überhaupt nicht geht», dass jemand am Arbeitsplatz fehlt. Aber ein krankes Kind nicht selbst betreuen zu können, fällt allen Eltern unendlich schwer.

Ein Hoch auf das Immunsystem!

Ich nahm also nach den Sommerferien meine Arbeit wieder auf und mein Mann machte parallel dazu mit unserer Tochter die Eingewöhnung in der Kita. Wir warteten gespannt auf die ersten Krankheitstage. Es wurde Herbst: Wir warteten noch immer. Es wurde Winter. Und uns wurde bewusst, dass wir offensichtlich nicht nur mit dem süssesten und tollsten, sondern auch noch mit dem resistentesten Kind der Welt beglückt worden waren.

Job-Supertrumpf: Wer ist gerade unverzichtbarer?

Nach drei Jahren Kinderkrippe haben wir natürlich trotzdem den einen oder anderen Fehltag zu verzeichnen. Und es haben sich drei Grundregeln für unsere Familie herauskristallisiert:

  1. Ausfalltage wegen der Kinder sind bei uns in der Regel unfallbedingt: Loch im Kopf, Spiegelscherbe im Gesicht oder gebrochenes Bein. Da sind wir gut im Geschäft und immer wieder froh, dass der Kinderarzt seine Praxis direkt in unserer Strasse hat. Unfälle haben den nicht zu unterschätzenden Vorteil, dass sie nicht anstecken sind. Somit bleiben wir davon verschont, dass nach Kind 1 in der Regel auch noch Kind 2 und am Ende noch Vater und Mutter darniederliegen.
  2. Da unsere Kinder Mittwoch bis Freitag in der Kita sind, werden sie – wenn überhaupt – arbeitgeberfreundlich am Samstag krank und sind dann bis Dienstag wieder fit.
  3. Wenn wir zusätzliche Betreuungstage brauchen, spielen mein Mann und ich Job-Supertrumpf. «Wer hat wichtigere Meetings und wer steht gerade in der heisseren Phase mit seinen Projekten?» Eigen- und Fremdwahrnehmung sind da nicht immer flächendeckend.  Aber bis jetzt konnten wir immer eine Lösung finden (oder besser gesagt zusammenpuzzeln), die für beide einigermassen aufging.

Mein Fazit nach drei Jahren Kinder/Karrieren/Krankheitsfälle: Die Vereinbarkeit von Familie und Beruf ist in der Regel eine Einstellungs- und Organisationssache. Im Krankheitsfall ist es einfach nur mühsam, anstrengend und zermürbend. Ich bin unendlich froh, dass wir bisher so viel Glück hatten.