Die liebe Frieda hat einen Beruf, dessen Arbeitszeiten so überhaupt nicht zu den Kita-Öffnungszeiten passen. Und ihr Mann ist manchmal wochenlang weg.

Frieda hat in jungen Jahren ihren Traum verwirklicht und ist Maskenbildnerin geworden. Sie arbeit in Festanstellung in der Maske eines grossen Theaters. Ein Glücksfall. Doch Teilzeit gibt es dort nicht. Wie macht man das mit Kindern? Wie lassen sich Familie und Beruf unter einen Hut kriegen, wenn man keinen 9-to-5-Job hat?

  1. Frieda hat einen Mann, der ebenfalls einen grossen Teil der Betreuung übernimmt. Er selbst arbeitet projektbezogen und hat immer wieder Phasen, in denen er viel zuhause sein kann. Aber es gibt auch Phasen, da ist er bis zu drei Monate kaum anwesend, hat 6-Tage-Wochen und ewig lange Arbeitstage – oft noch in einer anderen Stadt.
  2. Dann aktiviert Frieda ihren Babysitter-Pool.«Wir haben derzeit drei Frauen, die bei uns regelmässig die Kinder hüten», sagt Frieda. «Das sind zum Beispiel Studentinnen, die gerade ein Zwischenjahr machen und deshalb eine Zeit lang sehr flexibel verfügbar sind.» Eine andere Betreuerin ist bereits im Rentenalter. «Mir ist es wichtig, dass wir eine gewisse Konstanz in der Betreuung haben», sagt Frieda. «Damit sich die Kinder nicht immer wieder an neue Babysitter gewöhnen müssen.»

Ewiges Organisieren

Wenn das Theater nicht gerade Sommerpause hat, ist Frieda bis zu viermal pro Woche abends für eine Vorstellung eingeteilt. «Ich beginne dann um 18 Uhr meine Schicht und komme irgendwann nach Mitternacht nach Hause.» Zusätzlich hat sie an gewissen Tagen vormittags von 8 bis 12 Uhr Einsätze im Atelier. «Mein grösserer Sohn ist zu dieser Zeit im Kindergarten  und merkt gar nicht, dass Mama arbeitet.» Die Nachmittage kann Frieda mit ihren Kindern verbringen. Die Arbeitspläne werden einen Monat im Voraus erstellt, die Organisation der Betreuung entsprechend aufgegleist.

Private Betreuung nicht subventioniert

So richtig kompliziert wird die Vereinbarkeit von Familie und Beruf in Friedas Fall durch die beruflichen Einsätze ihres Mannes. Sobald eine Anfrage für ihn ins Haus flattert, beginnt die Organisiererei. «Ich frage alle verfügbaren Babysitter an und nach einer nervlich anstrengenden Zeit steht der Betreuungsplan.» Die Familie bezahlt die Babysitter stundenweise, oder es gibt eine Tages- oder Wochenpauschale. Und wenn der Vater längere Zeit auswärts arbeitet, gibt es auch mal einen Monatslohn. Das geht ins Geld. Private Kinderbetreuung ist nicht subventioniert. «Aber weil es für uns am Theater so schwierig ist, die Kinderbetreuung zu organisieren, bekomme ich von meinem Arbeitgeber eine deutlich erhöhte Kinderzulage.» Die deckt zumindest einen gewissen Teil der Kosten.

Glück und Herausforderungen

Macht dich euer Modell glücklich? Ist es das perfekte Modell für euch? «Maskenbildnerin ist und bleibt ein Traumberuf für mich», sagt Frieda. «Und in keinem anderen Beruf könnte ich vollzeit arbeiten und doch tagsüber so viel Zeit mit meinen Kindern verbringen.» Anspruchsvoll sei es jedoch, den Freundeskreis zu pflegen. «Mein Arbeitsplan ist gegeben und bestimmt den ganzen Monat für mich und meine Familie.»

Und wie ist diese ständige Organisiererei? «Anfangs machte mich das halb wahnsinnig. Doch inwischen habe ich die Erfahrung gemacht, dass es sich immer irgendwie organisieren lässt.»

«Inzwischen habe ich die Erfahrung gemacht,
dass es sich immer irgendwie organisieren lässt.»

Das Modell von Friedas Familie hat einen entscheidenden Vorteil gegenüber der klassischen Kita-Lösung: Wenn einer der Knaben krank ist, beginnt das grosse Organisieren nicht von vorn. Denn Babysitter kümmern sich auch um fiebernde Kinder.