Traumberuf und Familientraum: Meine Berufswahl-Empfehlungen an mein 15-jähriges Ich.

Letzte Woche führte ich eine Schulklasse durch unser Unternehmen und präsentierte ihnen dabei gemeinsam mit einem Lernenden auch die Ausbildungsmöglichkeiten. Einige interessierten sich ernsthaft für eine Berufslehre bei uns. Sie erzählten, was sie am kaufmännischen Bereich fasziniert und was sie sich für ihre Zukunft erhoffen. «Ich möchte einen Beruf, der mir die Vereinbarkeit von Familie und Beruf ermöglicht», wurde nie erwähnt. Im Vordergrund standen Fragen wie «Hat man bei Ihnen eine Chance mit Piercing?» oder «Welchen Notendurchschnitt muss ich haben, damit sich eine Bewerbung lohnt?»

Berufswahl

«Was mag ich gerne?»,  «Was kann ich gut?» oder  «Wobei bin ich glücklich?» Das waren die Fragen, die mich bei meiner Berufswahl antrieben. Heute würde ich folgende Checkliste empfehlen:

  1. Kannst du dir vorstellen, entweder auf Familie oder auf eine berufliche Karriere zu verzichten? Ja? Dann musst du hier nicht weiterlesen. Nein? Dann beachte die folgenden Punkte.
  2. Suche dir eine Ausbildung, die Entwicklungen in verschiedene Richtungen zulässt. Oder bist du dir 100%ig sicher, dass dein Traumberuf auch noch in 10 Jahren der absolute Traum ist?
  3. Je mehr die von dir gewählte Ausbildung in den geisteswissenschaftlichen Bereich geht, desto eher wirst du später die Möglichkeit haben, im Homeoffice zu arbeiten. Theoretische Arbeit lässt sich einfach besser an einem anderen Ort ausüben als Handwerk oder ein Job mit hauptsächlich Kundenkontakt.
  4. Wenn du diese Tipps befolgt und einen grundsätzlich homeoffice-fähigen Beruf erlernt hast, schaue genau, für welche Firma du dich verpflichtest. Lässt die Unternehmenskultur Vereinbarkeit zu? Und hoffe, dass dein direkter Vorgesetzter fortschrittlich genug eingestellt ist. Die Aussage «Ich habe meine Leute lieber hier im Büro, dann weiss ich, was sie arbeiten», ist unbedingt als Warnsignal zu deuten.
  5. Nutze die Zeit vor dem Kinderkriegen dafür, dass du deinen Traumjob und eine absolut tolle Stelle findest. In meinem Umfeld habe ich mehrere Frauen, die Vollzeit oder Beinahe-Vollzeit arbeiten; obwohl sie Kinder haben. Sie alle haben einen gemeinsamen Nenner: Sie lieben ihren Job. Die Arbeit erfüllt sie, macht sie glücklich und ist ein elementarer Teil ihres Lebens. Das ist aus meiner Sicht die Grundvoraussetzung dafür, dass man den Job auch dann nicht kündigt, wenn gerade Kind 1, Kind, 2, Kind 3 und die Mutter zweimal hintereinander der Reihe nach krank waren.

Wer seinen Beruf und den konkreten Job richtig aussucht, hat bessere Gründe, das Experiment mit der Vereinbarkeit anzupacken.