Kürzlich stiess ich eine liebe Bekannte ganz übel vor den Kopf: Sie sagte «Ah, dann ist heute Papitag.» – «Sag. Nie. Wieder. Papitag. Bitte.» Sie schaute mich total entsetzt an, verstand meine Reaktion nicht mal im Ansatz. Kurz erklärt: Für mich und meinen Mann ist die Formulierung «Papitag» die absolute Abwertung für sein Vatersein.

«Papitag» steht bei uns für «Ich bin fünf Tage die Woche so gut wie nie zuhause und gehe dafür am Wochenende manchmal mit den Kindern gaaaanz alleine in den Zoo.» Die Bezeichnung «Papitag» ist lieb gemeint, heisst aber: Sie stellt ihm den 9-Uhr-Brei und das Mittagsmüsli in der Küche parat, packt das Rucksäckli für den Zoo und schreibt ihm um 14 Uhr eine SMS, dass er doch daran denken soll, den Kleinen nicht zu lange schlafen zu lassen.

Mein Mann hat keinen «Papitag». Nie. Er ist Vater. Mit Haut und Haar – und ohne Unterbruch.

Beim oben genannten Unwort ist immer die grosse Ausnahme gemeint, das Exklusive, der Weihnachten-und-Geburtstag-zusammen-Moment.

Applaus, Applaus

Ich kenne auch Paare, bei denen sich der Mann jeden Freitag um den Nachwuchs kümmert. Aber warum müssen sie das unbedingt «Papitag« nennen? Sind wir die Einzigen, die das abwertend finden? Ich glaube nicht. Journalist Philipp Mäder schrieb im Wir Eltern einen Text mit dem Titel «Das machen Sie aber gut», in dem er sich mit dem Applaus und der Vaterrolle befasst.

«Papitag» mit Kind und «Mamitag» ohne Kind

Lustigerweise ist es beim Pendant «Mamitag» genau umgekehrt: Heute war bei mir so ein klassischer «Mamitag»: Kinder in der Kita, ich ausnahmsweise frei. Juhu, Zeit für mich! DAS ist wie Weihnachten und Geburtstag am selben Tag.

Die unterschiedliche Bedeutung zeigt, dass es anscheinend eine Selbstverständlichkeit sein soll, das Mütter mit ihren Kindern Zeit verbringen. Bei Vätern muss geklatscht werden.

80 Prozent kann viel und wenig sein

Der feine Unterschied zwischen «Papitag» und «Mamitag» verdeutlich das Problem unserer Gesellschaft mit der gleichberechtigten Erwerbs- und Erziehungsarbeit. So wie es bei mir immer heisst: «Oh, du arbeitest 80 Prozent, das ist aber recht viel.» Und bei meinem Mann: «Aha, du arbeitest nur 80 Prozent, ist das nicht ein bisschen wenig?»

Es ist noch ein langer Weg bis zur Gleichstellung in den Köpfen.

Mein Mann geht übrigens auch mit den Kindern in den Zoo. Ist dann aber keine grosse Sache. Das machen sie jede Woche. Den Rucksack packt er selbst.