Die Kita-Eingewöhung unserer zweiten Tochter dauerte zwei Stunden. Dann sagte uns die Betreuerin: «Das läuft.» Das war ein Glücksfall und überhaupt keine Selbstverständlichkeit. Aufbauend auf den Erfahrungen einer erfahrenen Erzieherin habe ich die fünf Erfolgsfaktoren für einen reibungslosen Kita-Einstieg definiert.

Unsere Kleine war bei ihrer Express-Eingewöhung 14 Wochen alt und kannte die Kita von klein an. Sie war immer dabei, wenn wir ihre grosse Schwester brachten und abholten. Der absolut problemlose Übergang hatte aber mit Sicherheit auch damit zu tun, dass wir Eltern genau wussten, dass es funktionieren würde. Wir fühlten uns total wohl mit der Kita und den Betreuerinnen unserer Gruppe. Zweifelten – anders als vielleicht noch bei unserer Grossen – keine Sekunde daran, dass das ohne grosses Holpern über die Bühne gehen würde.

Das böse «Muss», «Mister Om» und die kleine «Miss Om»

Ich finde es immer wieder spannend, wie Eltern sich und ihre Kinder auf den neuen Alltag mit der Kita einstellen. Das fängt schon bei der Formulierung an: «Ja, ab 1. Februar muss er in die Kita.» Da schwingen meiner Meinung nach schon viel zu viele negative Emotionen mit. «Ab 1. Februar ist er in der Kita», wäre mir lieber. Implizit steht das «Muss» doch für: «Es tut mir leid, dass ich dir das antue!» Ich bin davon überzeugt, dass die Kinder es merken, wenn die Eltern (oder in erster Linie die Mütter) der Meinung sind, dass sie ihrem Kind mit der Kita-Betreuung etwas zumuten.

Bei unserer ersten Tochter merkte ich sehr rasch, wie extrem sie auf meine Gefühlslagen reagiert. Sie war so ungefähr das entspannteste Baby, das mir je begegnet ist. Aber jedes Mal, wenn ich als Mutter irgendeinen Stress hatte, unter Zeitdruck stand oder nervlich angespannt war, reagierte sie. Mit Weinen, Quengeln oder mit motziger Laune. Da mein Mann (im Gegensatz zu mir) die Ruhe selbst ist, beschlossen wir, dass er die Eingewöhung übernimmt. Mein «Mister Om» und unsere kleine «Miss Om» meisterten die Eingewöhnungswoche mit Bravour. Ich konnte mich voll und ganz auf meinen Wiedereinstieg konzentrieren.

20 Jahre Erfahrung

Bei der Kita-Wahl ist das Bauchgefühl absolut entscheidend. «Wenn es für die Eltern passt, passt es in der Regel auch für das Kind», sagt Conny.

«Wenn es für die Eltern passt,
passt es in der Regel auch für das Kind.»

Sie arbeitet seit 20 Jahren als Erzieherin und leitet inzwischen ihre eigene Kindertagesstätte. Conny hat schon unzählige Babys und Kleinkinder bei der Eingewöhnung begleitet. Und auch deren Eltern. Denn: «Nicht selten fällt diese Veränderung den Eltern schwerer als dem Kind.» Conny hat mir ihre Beobachtungen und Erfahrungen geschildert, darauf aufbauend habe ich die  Liste mit den 5 ultimativen Tipps zur Kita-Eingewöhnung zusammengestellt:

  1. Früh genug eine Kita suchen und bei der Auswahl auf den eigenen Bauch hören. Das Bauchgefühl der Eltern darf stellvertretend für das Bauchgefühl des Babys gelten.
  2. Stillkinder rechtzeitig an eine praktikable Alternative zur Mutterbrust gewöhnen. Natürlich kann man die Gewöhnung an die Flasche auch den Erzieherinnen überlassen; aber unter «sanft» verstehe ich etwas anderes.
  3. Genügend Zeit für die Eingewöhnung einplanen. Ein Monat vor Arbeitsbeginn ermöglicht in den meisten Fällen einen sanften Übergang.
  4. Den richtigen Zeitpunkt erwischen: Kinder ab 8 Monaten haben erfahrungsgemäss mehr Mühe, sich an die neue Situation zu gewöhnen. Ab 2 Jahren wird es wieder einfacher.
  5. Wenn die Eltern den Betreuern und deren Fähigkeiten vertrauen, können sich auch die Kinder wohlfühlen und auf die neue Situation einlassen.

Wer noch mehr konkrete Verhaltenstipps für die Eingewöhnungsphase braucht, findet diese bei Séverine von Mama on the rocks: 11 Tipps für eine erfolgreiche Kitaeingewöhnung. Und Béa und Yvonne von Tollabea haben sich ausführlich mit dieser Frage auseinandergesetzt: Wie bereite ich ein ganz junges Kind auf die Kinderkrippe vor? Einen wunderbar ehrlichen Text über die Eingewöhnung ihres Kindes hat Mamawillschoko geschrieben. Es geht darin um Anfängerfehler und Fettnäpfchen

Kita

Mit 8 bis 24 Monaten ist der Einstieg am schwierigsten

Zurück zu Erzieherin Conny und ihren Erfahrungen: Neben dem Bauchgefühl sei der Zeitfaktor am wichtigsten, sagt sie. «Es fängt schon bei der Kita-Suche an: Es rufen immer wieder Mütter an und sagen, dass sie in 4 Wochen wieder mit der Arbeit beginnen.» Das sei wirklich nicht optimal, da die Eltern zum einen keine Möglichkeit mehr hätten, die passende Kita zu suchen (falls es denn überhaupt einen freien Platz hat) und weil vor allem die Zeit für eine sanfte Eingewöhnung fehlt.

Denn Conny ist sich sicher: «Mit viel Zeit und Geduld klappt der Kita-Einstieg eigentlich immer.» Gerade im kritischen Einstiegsalter ab 8 Monaten sei es wichtig, dem Kind die Zeit zu geben, die es brauche. «Ich hatte einmal ein einjähriges Kind, bei dem die Eingewöhung drei Monate dauerte.» Da die Mutter ihren Arbeitsbeginn nicht nach hinten schieben konnte, seien zwischenzeitlich die Grosseltern bei der Eingewöhung eingesprungen. «Aber das Kind war danach angekommen und sehr glücklich in der Kita.» Conny ist daher überzeugt: «Es lohnt sich, dranzubleiben und nicht aufzugeben.» Es sei einfach so, dass jedes Kind genau die Zeit benötige, die es brauche, um richtig anzukommen. «Nur ein einziges Mal in meiner ganzen Berufslaufbahn habe ich es erlebt, dass das Kind in der Kita einfach nicht glücklich wurde und die Mutter die Übung schliesslich abbrechen musste.»