«Seit ich meine Geschäftsmails auf dem Handy lesen und schreiben kann, hat sich mein Leben echt verändert», erzählt Jule. Die 51-Jährige arbeitet seit 14 Jahren, seit der Geburt ihres Sohnes Jonas, teilzeit. Nach 14 Wochen Mutterschaftsurlaub kehrte sie damals zurück in ihren alten Job. Erst dank angesammelter Ferientage nur einen Tag pro Woche, danach 50 Prozent. Als der Junge ein Jahr alt war, erhöhte sie ihr Pensum auf 60 Prozent.

Mobile Kinderbetreuung

«Jonas konnten wir in der Kita direkt neben meinem Büro unterbringen, das war für uns ideal.» Jule wollte trotz Arbeit so viel Zeit wie möglich mit ihrem Sohn verbringen und pendelte dreimal die Woche mit Kind zur Arbeit. «Ich genoss diese zusätzliche Zeit mit ihm im Zug.» Nur manchmal, an Abenden, an denen Jule gestresst und schlecht gelaunt aus dem Büro kam, war das Pendeln mit Kind nicht wirklich eine Bereicherung. «Er hatte unglaubliche Antennen und reagierte auf meine schlechte Laune ebenfalls mit schlechter Laune.»

Mobiles Arbeiten

Doch zurück zur modernen Technik und wie diese Jule das Leben erleichterte: «Da die Kita unseres Sohne schon um 18 Uhr schloss, hatte ich gegen Ende des Arbeitstages keine Flexibilität», sagt Jule. Sehr mühsam, da sie in ihren Job oftmals von den Rückmeldungen anderer abhängig ist, um  den nächsten Arbeitsschritt zu veranlassen. «Es hat mich eine Zeit lang echt aufgerieben, dieses An-beiden-Orten-zu-wenig-Zeit-haben.» Dann führte ihr Arbeitgeber eine App ein, mit der die geschäftlichen Mail sicher auf dem Smartphone empfangen werden konnten. «Das hat die Vereinbarkeit für mich echt vereinfacht.»

Mobiles Arbeiten

Mobile Freizeit

Heute ist Jules Sohn ein Teenager, der Mittags lieber mit seinen Kollegin isst. Und Jule hat auf einmal wieder die Freiheiten, die lange Zeit unerreichbar schienen: Vormittags in Ruhe schwimmen gehen. Zum Mittagessen mit einer Freundin abmachen.

Jule hat ihr Pensum von 60 auf 70 Prozent erhöht. «Ich hatte einfach immer zu viel Arbeit und zu wenige Stunden im Büro.» Noch höher möchte sie jedoch nicht gehen. «Es ist unbezahlbar, dass heute nicht mehr alles bis auf die letzte Minute durchgetaktet ist.»

Erfahrungswerte

Welchen Tipp hat Jule nach 14 Jahren gelebter Vereinbarkeit für junge Mütter wie mich? «Denke immer daran: Egal, wie ungelegen eine Veränderung gerade kommt und wie sehr sie das mühsam austarierte System von Eltern- und Kitabetreuung ins Wackeln bringt: Es geht am Ende immer auf. Irgendwie.» Und neben der ganzen Organisiererei und dem ständigen Kampf um die Ressourcen, solle man unbedingt diese reiche und erfüllende Lebensphase geniessen. «Die Kinder werden so unglaublich schnell gross.»