Das Kinderkriegen hat mich in eine Filterblase gepackt. Meine Welt ist nicht nur unglaublich viel reicher geworden, sondern auch deutlich kleiner. Mein Bewegungsradius spielt sich zwischen Zuhause, Kita und Büro ab. Die Leute, die ich regelmässig treffe, kann ich an einer Hand abzählen.

Ich habe kürzlich einen Kurs zum Thema Social Media gegeben. Dabei wurde auch die Filterblase thematisiert. Je mehr ich mich in der Unterrichtsvorbereitung damit beschäftigte, desto mehr konsolidierte sich bei mir die Meinung: «So eine Filterblase hat auch etwas ganz Gemütliches.»

Die Filterblase in der Online-Welt steht für das Phänomen, dass einem Portale nicht automatisch die meistgelesenen Seiten anzeigen, sondern algorithmisch vorauszusagen versuchen, was mich als Nutzer interessieren könnte. Mir wird also vorgegaukelt, dass mehr oder weniger die ganze Welt gleich tickt wie ich.

Im kleinen Radius

Im realen Leben ist es kein Computer, der die Auswahl trifft: relevant/nicht relevant. Die Filterblase meines Lebens hat sich die letzten vier Jahre zusehends verfestigt. Ich treffe mich eigentlich nur noch mit Leuten, die mir und den Kindern gut tun. Ich habe keine Ressourcen, anstrengende Playdates abzuhalten, bei denen ich abends völlig erledigt bin, weil die Kinder nicht miteinander können und die Eltern zu unterschiedliche Vorstellungen von Richtig und Falsch haben. Thematisch sind mir die Mütter am nächsten, die ebenfalls in einem hohen Pensum arbeiten. Und geografisch ist meine Welt besonders klein geworden.

Filterblase

Die Freundinnen, die ich regelmässig sehe, wohnen in absolut überschaubarer Entfernung – quasi in der Verlängerung der Achse Zuhause-Kita-Büro. Anfangs habe ich noch ab und zu Freundinnen in anderen Städten besucht. Irgendwann habe ich entnervt festgestellt, dass mir das einfach zu anstrengend und zu nervenaufreibend ist. Klar kann man abends mit zwei müden Kleinkindern zusammen mit all den Pendlern von A nach B fahren. Aber ehrlich gesagt ist mir das im Moment einfach zu viel Stress. Solange ich in meiner Umgebung bleibe, kann ich die Mädchen, sobald die Stimmung gegen Abend zu kippen droht, in unser Familienrad packen, und bin in 15 Minuten zuhause.

Anfangs habe ich mich dagegen gesträubt, dass meine Welt durch die Kinder so viel kleiner wird. Heute weiss ich: Es tut mir gut. Es tut mir gut, dass wir unsere festen Traditionen haben, wie wir unsere Wochenende gestalten. Es tut mir gut, in den Ferien keine grossen Experimente zu machen. Es gibt diese eine Freundin, die mir im Moment besonders gut tut, weil uns die selben Themen beschäftigen und sich beide Familien super verstehen.

Telefon statt reales Treffen

Für die Menschen, die weiter von mir entfernt leben, die mir aber dennoch sehr am Herzen liegen, bleibt mir im Moment nur das Telefonieren. Seit der Kopfhörer mit dem integrierten Mikro erfunden wurde, lassen sich Arbeitswege, Wartezeiten und Haushaltsarbeiten perfekt mit der Beziehungspflege verbinden. Kürzlich habe ich einen Abend lang mit meiner einen Freundin telefoniert und wir haben parallel dazu beide unsere Garderobenschränke ausgemistet. So geht Effizienz. Und so ist es mir möglich, auch in dieser intensiven Zeit Beziehungen zu pflegen. Es werden wieder andere Zeiten kommen. Irgendwann.

Ich liebe meine Filterblase.