Der ständige Wechsel zwischen Berufs- und Familienwelt hat bei mir ein extrem selektives Speicherverhalten zur Folge. Um zwischen den mehrschichtigen Pendenzenlisten nicht durchzudrehen, brauche ich digitale Gedankenstützen.

Kein Nudeln-Kochen ohne Küchenuhr. Ich kann nicht garantieren, dass ich in 8 Minuten noch weiss, dass ich mir Abendessen kochen wollte. Wenn die Betreuerin in der Kita am Freitag eine neue Zahnbürste für die Kleine bestellt, mache ich mir einen Kalendereintrag «Zahnbürste H.». Und «Ich muss XY noch die neuen Unterlagen mailen», ist nach «Ich sollte mehr schlafen» wohl einer meiner häufigsten Gedanken.

Seit ich Kinder habe, hat die Komplexität meiner geistigen To-Do-Liste so sehr zugenommen, dass ich ohne technische Hilfsmittel total verloren wäre. Wenn mir einer mein Handy klaut, kann ich eigentlich Feierabend machen.

Auszug aus meinem iPhone-Kalender:

  • 06:00 Wäsche im Tumbler
  • 07:10 Terminanfrage Müller?
  • 08:05 KiA tel
  • 10:00 Druckerei: Zeitplan?
  • 16:45 Kids: ich
  • 17:15 Mail Druckdatei weiterleiten
  • 17:30 Abendessen: Fleischkäse
  • 21:00 Wocheneinkäufe bestellen
  • 21:05 Regenhosen rauslegen
  • 22:00 morgen: beide Laptop mitnehmen

Agenda

Es ist natürlich nicht so, dass ich ohne diese Gedankenstützen nicht existieren könnte. Einen Teil der Dinge, die noch zu tun sind, würde ich vielleicht vergessen. Die wirklich nervige Konsequenz eines Lebens ohne digitale Erinnerungs-Funktion wäre, dass ich mich selbst ständig an diese Dinge erinnern müsste. Dazu habe ich keine Lust.

Ich möchte nicht ständig meine To-Do-Liste in Gedanken durchgehen, ich möchte mein Gehirn für andere Dinge freihalten.

 

Mein Kopf ist voller Ideen für unsere Fasnachtskostüme, für das anstehende Grossprojekt, für die nächste Geburtstagsparty. Voll mit den wichtigsten Punkten fürs kommende Abteilungsmeeting, mit den Plänen fürs nächste Wochenende oder mit einem Lied aus meiner Kindheit, das ich mit den Mädchen gerne lernen möchte.

Erste Regel: Immer gleich notieren

Die endlosen Listen auf meinem Handy reduzieren meinen Dran-Denk-Müll. Entscheidend bei dieser Methode: Jede neue Aufgabe SOFORT eintragen. So bekommen meine Arbeitskollegen des Öfteren zu hören: «Klar, mache ich. Aber bleib bitte hier stehen/am Telefon, bis ich das eingetragen habe.» So muss ich nach dem Tschüss nicht eine zusätzliche Sekunde verschwenden, um an den neu gefassten Auftrag zu denken.

Machmal mag das etwas mühselig, wenn nicht gar paranoid wirken. Aber mir bringt es eine ungeheure Erleichterung. Denn das Erledigen der Aufgabe braucht meistens nicht halb so viel Energie, wie das Daran-Denken.

Und am Ende bleibt mir so mehr Zeit und Energie für Familie und Beruf.