Montags bin ich einfach nur froh, dass es meine Mailbox gibt. Nicht, weil ich die vielen nervigen Newsletter und lästigen CC-Mails übers Wochenende vermisst hätte. Aber dank meiner – auch mobile abrufbaren – Mailbox konnte ich morgens die Zeit im Zug nutzen, um die letzte Woche zu rekonstruieren. 

Denn es kommt öfters vor, dass ich mich Sonntagabend nach dem Tatort frage, womit ich mich werktags eigentlich gerade so rumschlage.

Das passierte mir früher nie. Bevor ich Kinder hatte, liess mich die Arbeit selbst in den Ferien nie richtig los. Entspannt sein ist einfach nicht so meins. Deshalb hat mir das Schicksal wohl auch «Mister Om» geschickt.

Die wirklich wichtigen Fragen

Heute zwingen mich die Kinder dazu, am Wochenende ganz für meine Familie (und ein paar Stunden für mich selbst) da zu sein. Während ich am Freitagabend manchmal mit den  Gedanken noch im Büro hänge, beschäftige ich mich spätestens am Samstag um 6.30 Uhr mit Themen wie «Warum darf meine Schwester den pinken Teller haben?» und «Weshalb darf ich meiner Puppe keinen Quark füttern?» Oder es tauchen Fragen auf, wie «Wo wohnen die Schnecken, die kein Häuschen haben?» oder ganz Grundsätzliches wie «Haben wirklich alle Menschen eine Mutter?».

Da rücken feststeckende Projekte, nervenaufreibene Grundsatzdiskussionen und anstrengende Kollegen genauso in den Hintergrund wie erfolgreich veröffentliche Publikationen und zufriedenstellend präsentierte Konzepte. Es gibt einfach Wichtigeres – zumindest bis Montag, 7 Uhr.

Es gibt einfach Wichtigeres als die Arbeit – zumindest bis Montag, 7 Uhr.

In diesem Zusammenhang wird mir immer wieder bewusst, wie wertvoll meine tägliche Pendlerzeit ist: So nervig es ist, wenn mal wieder ein Zug ausfällt und ich mir am Bahngleis die Beine in den Bauch stehe. Ich bin froh um meine 30 Minuten Arbeitsweg. Sie helfen mir, mich mental aufs Büro und die aktuell wichtigen Themen vorzubereiten. Auf dem Nachhauseweg kann ich entweder die letzten Telefonate erledigen oder mich nach dem ersten Feierabend wieder auf die andere Welt einstellen. In der nicht die Farbe eines Prospektes sondern die Farbe eines Tellers von höchster Wichtigkeit ist.