Bei uns tut sich was: Mein Arbeitgeber will mehr Frauen in Führungs- und Expertenpositionen, es werden entsprechende Massnahmen gesucht und umgesetzt. Das macht Hoffnung.

Das Unternehmen, in dem ich arbeite, hat sich «Mehr Diversity» auf die Fahne geschrieben. Ausgehend von der Tatsache, dass bei uns in den oberen Führungsetagen so gut wie keine Frauen vertreten sind, wird nun an mehreren Paketen gearbeitet, die mittel- bis langfristig Einfluss auf die Frauenquote haben sollen. Mich macht das natürlich total happy. Auf einmal spielen Themenkomplexe im Unternehmen eine Rolle, mit denen ich mich privat stark beschäftige: Wie können wir verhindern, dass Frauen nach der Geburt des ersten oder zweiten Kindes die Firma verlassen oder auf ein Mini-Pensum in einem weniger qualifizierten Job wechseln? Wie schaffen wir es, für Frauen attraktiv zu sein, die karrieretechnisch vorwärts kommen und trotzdem eine Mutter sein wollen? Welche Rolle spielen die Väter in diesem Gefüge?

 

Wir brauchen die Männer

Ich bin nun also Teil einer Arbeitsgruppe, die sich um Massnahmen für eine stärkere Verbreitung des mobil-flexiblen Arbeitens im Unternehmen kümmert. Was mich besonders freut: Wir konnten auch zwei männliche Kollegen für die Mitarbeit in dieser Gruppe gewinnen. Denn ich bin überzeugt: Solange Homeoffice und flexible Arbeitszeiten nur von Müttern genutzt werden, wird es immer etwas Stigmatisches haben. «Sie arbeitet von zu Hause aus, sie ist Mutti.» Zudem haben viele das Gefühl, dass jemand im Homeoffice «nicht so richtig» arbeitet.

Wenn es aber normal wird, dass die Mitarbeitenden – egal ob Mann oder Frau, unabhängig davon, ob betreuungspflichtige Kinder im Haushalt leben – auch zu Hause, an einem anderen Firmenstandort und ausserhalb der normalen Bürozeiten arbeiten, verlieren die Homeoffice-Pensen ihr Stigma.

Bei Männern höre ich immer wieder die Aussage, «ich kann nicht zu Hause arbeiten, da ist ja meine Frau mit den Kindern.» Kann ich absolut nachvollziehen – zu einem gewissen Teil. Homeoffice mit Kindergewusel ist weder besonders effizient noch befriedigend. Aber mit dem Schuleintritt der Kinder bekommt für mich das Homeoffice eine neue Dimension: Es erhöht die Anzahl Stunden, die ich zwischen dem Kindergarten-Beginn morgens um 8 Uhr und dem Abholen mittags um 12 für die Arbeit nutzen kann. Muss ich ins Büro, verliere ich am Anfang und am Ende je eine halbe Stunde für den Weg. Kann ich nach dem Abladen der Kinder wieder nach Hause, beträgt mein «Arbeits»weg gerade mal 5 Minuten. So spare ich alleine an einem Vormittag 50 Minuten.

Sind die Kinder aus dem Haus, können Väter wie Mütter zu Hause arbeiten. Und dann die Mittagspause mit der Familie verbringen. Ein echter Mehrwert.

 

Kulturwandel

Für mich ist klar: Ein Unternehmen kann es nur zu einer mobil-flexiblen Arbeitsumgebung bringen, wenn ein ganzheitlicher Kulturwandel angestrebt wird. Es darf kein Manko sein, dass jemand einen Teil seiner Arbeitszeit ausserhalb des klassischen Büros verbringt.

Bis dieser Wandel in den Köpfen eine kritische Masse erreicht hat, dauert es seine Zeit. Wichtig ist dabei, dass nicht einfach irgendwelche Alibi-Programme ins Leben gerufen werden, die das eigentliche Ziel des Kulturwandels verfehlen. Wir brauchen möglichst viele Leute, die mit grossem Engagement ihre Arbeit auch ausserhalb des Büros und ausserhalb der normalen Arbeitszeiten erledigen. Wenn genügend Leute mit gutem Beispiel vorangehen und die Möglichkeiten der modernen Arbeitswelt mit einer Selbstverständlichkeit einfordern, kommen wir einen grossen Schritt weiter. Ich bin auf jeden Fall dabei.