Heute ist Jubiläumstag. Vor sechs Jahren hatte ich den ersten Arbeitstag in meiner heutigen Firma. Und heute vor sechs Wochen ist unsere dritte Tochter geboren. Neuer Job und neues Kind – zwei einschneidende Ereignisse, die einiges gemeinsam haben:

Neue Kollegen

In den ersten Tagen und Wochen in einem neuen Job lernt man ständig neue Leute kennen. Die einen sind einem rasch vertraut, manche kennt man schon von früheren Stationen oder aus dem Privatleben, bei anderen vergisst man auch nach drei Monaten noch ständig die Namen. Wenn ein neues kleines Wesen Teil der Familie wird, heissen die Kollegen zum Beispiel «Reflux», «Wunder Popo» oder «Milchschorf». Kennenlernen spielt nicht nur in Bezug auf den neuen Erdenbürger eine Rolle – auch mit den ganzen Begleiterscheinungen muss man sich erst (wieder) vertraut machen.

Daily Business

Sind es im Büro die Klassiker wie Team-Meetings, Mailverkehr und Anträge,  so heissen die täglichen Aufgaben mit einem Neugeborenen erst mal Stillen, Wickeln und Umziehen. So wie im Arbeitsalltag anfangs selbst banale Dinge mehr Zeit benötigen («Wie funktioniert denn hier der Drucker?», «Was ist die Logik hinter diesem Ablagesystem?»), können sich die einfachsten Angelegenheiten mit einem Baby unendlich in die Länge ziehen. Während die Zeitspanne zwischen «Lass uns rausgehen» und «Wir sind draussen» mit dem ersten Kind von 3 Minuten auf eine halbe Stunde ausdehnt, kann es beim dritten Kind durchaus mal eine Stunde dauern, bis die ganze Familie abmarschbereit ist. Es hat natürlich auch Vorteile, wenn es nicht das erste Kind ist: Die meisten Dinge sind irgendwie bekannt. Trotzdem ist es jedes Mal wieder neu. Es ist ein Herantasten, ein Sich-Erinnern und immer wieder sind da auch Dinge, die man so in der Form noch nicht kannte. Wie im Job spielt aber auch hier die Zeit für uns: Mit jedem zusätzlichen Tag kommt mehr Übung in die Abläufe, neue Phänomene lassen sich einfach einordnen und mit der Zeit kommt die Routine.

Grosse Euphorie

Wenn man eine neue Arbeitsstelle antritt, ist man in der Regel top motiviert. Alles ist aufregend, fordernd und lässt einen zuweilen richtig euphorisch werden. Gleichzeitig schwingt oft auch eine gewisse Überforderung mit. Alles ist neu, die eigenen Ansprüche und die (teils vermeintlichen) aus dem Umfeld sind hoch. Man will bloss nichts falsch machen und trotzdem entspannt rüberkommen. Genauso verhält es sich als Mutter mit einem Neugeborenen. Beim dritten Kind fällt einem zwar manches leichter, dafür steigen auch die Ansprüche. «Ihr wisst ja jetzt, wie es geht», haben mein Mann und ich die letzten Wochen oft gehört. Na ja. Auch beim dritten Mal fühlt sich vieles neu an. Das neue Leben mit drei Kindern ist aufregend, fordernd und lässt uns oft ganz euphorisch werden.

Probezeit zu Ende

Bei uns im Büro laufen derzeit die alljährlichen Beurteilungsgespräche für Mitarbeitende. Da wird analysiert, Feedback gegeben, Potenzial eruiert. Andrea Jansen von Any Working Mom und Nadia Meier vom Mamablog haben sich kürzlich Gedanken darüber gemacht, wie uns wohl unsere Kinder bewerten würden. In diesem Kontext würde es mich echt interessieren, wie das Probezeitgespräch zwischen unserer kleinsten Tochter und mir ablaufen würde, wenn sie denn schon sprechen könnte. Ich für meinen Teil bin mit ihr mehr als zufrieden. Und wenn ich sie so betrachte, wie sie selig schlummernd neben mir im Stubenwagen liegt, gehe ich davon aus, dass sie mir auch eine gute bis sehr gute Bewertung ausstellen würde.