Warum hören Frauen auf zu arbeiten, wenn sie Kinder bekommen? Liegt es daran, dass sie sich rund um die Uhr um ihre Babys kümmern wollen? Oder vielmehr an widrigen Umständen, wenn es um die Vereinbarkeit von Beruf und Familie geht?

In einer Woche ist mein erster Arbeitstag. Es geht direkt wieder los. Den ganzen Nachmittag ein grosses Meeting. Davor bleibt etwas Zeit, um mich durch die angesammelten Mails zu wühlen und die wichtigsten Beiträge im Intranet abzuarbeiten. Ich freue mich total, endlich wieder meinen Kopf richtig einzusetzen. Klar braucht es auch Köpfchen, um Kinderarzttermine, Nachmittagsverabredungen und Wocheneinkäufe zu koordinieren. Doch so richtig ausgelastet bin ich damit nicht.

So gemütlich es auch sein mag, einfach so mit dem Baby in den Tag hineinzuleben, so frustrierend finde ich es abends, wenn mal wieder nichts geschafft ist ausser der Mutter. Warum hören trotzdem immer wieder gut ausgebildete Mütter mit spannenden Jobs auf zu arbeiten, wenn das erste oder spätestens das zweite Kind auf der Welt ist?

Meiner Meinung nach gibt es dafür fünf Gründe:

  1. Finanzieller Aspekt: Der erzielte Lohn der Mutter steht in keinem Verhältnis zu den Kita-Kosten und der höheren Steuerbelastung. Wenn dann auch noch der Vater deutlich besser verdient, finden die meisten Paare, dass es sich nicht rechnet, wenn er einen Tag reduziert, um für die Kinder zu sorgen und sie dafür arbeiten geht.
  2. Fehlende Motivation:  Wenn der Job nur wenig Spass macht, die Stimmung im Team schlecht ist oder der Chef ständig nervt, dann fällt die Entscheidung für «erstmal nur zu Hause» deutlich leichter. Darum empfehle ich Freundinnen mit baldigen Kinderplänen unbedingt, sich vorher noch um den Traumjob zu kümmern. Nicht nur, weil es deutlich einfacher ist, nach dem Mutterschaftsurlaub auf Teilzeit zu reduzieren, als sich einen neuen Job im Teilzeitpensum zu suchen.
  3. Organisatorische Belastung: Ein langer Arbeitsweg, ein Wohnort ohne funktionierenden Tagesstrukturen oder Kita-Plätze oder ein Partner, der sich gänzlich aus dem Betreuungsplan raushält – das sind Faktoren, die die Vereinbarkeit von Beruf und Familie zum Ding der Unmöglichkeit machen. Daher finde ich es essenziell, dass der Alltag mit möglichst wenig Reibungsverlusten funktioniert. Das organisatorische Jonglieren kommt dann automatisch mit den Grippeviren.
  4. Abwesende Väter: Seit ich selbst Kinder habe, ist meine Hochachtung vor der Leistung berufstätiger Alleinerziehender nochmals gewachsen. Kein «Kannst du oder soll ich?», kein «Übernimmst du den Vormittag, dann mache ich den Nachmittag?» – wenn alles an einem Elternteil hängt, wird der Alltag mit Kindern und Job zum Spiessrutenlauf. Doch auch in Partnerschaft lebende Mütter sind oft alleine fürs Bringen und Abholen der Kinder zuständig, weil der Partner frühmorgens das Haus verlässt und erst im Dunkeln wieder zurückkehrt. Wenn erwartet wird, dass immer die Frau zu Hause einspringt, wenn das Kind wegen Krankheit nicht in die Kita kann, nimmt irgendwann das schlechte Gewissen gegenüber dem Team überhand.
  5. Fehlende Vorbilder: Letzte Woche habe ich mich mit zwei jungen Frauen aus unserer Firma unterhalten. «Ich kann mir echt vorstellen, dass ich das auch mal so handhaben werde wie du», sagte die eine. Ich finde es wichtig, dass die jungen Frauen in den Zwanzigern sehen und miterleben, dass es sehr wohl möglich ist, einen tollen Job zu machen und gleichzeitig mit Herz und Seele Mutter zu sein. Wenn solche Vorbilder fehlen, setzt sich in den Köpfen der angehenden Mütter der Irrglaube fest, dass sich sich dereinst zwischen Kindern und Karriere entscheiden müssen.

Für mich ist klar: Die ganze Frauenförderung und die guten Ausbildungen der jungen Frauen bringen nur wenig, wenn die Karrieren mit der Geburt des ersten Kindes einen Bruch erleiden. Keiner hat gesagt, dass es ein Spaziergang wird. Aber mit dem richtigen Partner und dem richtigen Job lohnt sich der Aufwand.