Wenn das Familien- und Arbeitsmodell in Schieflage gerät, wird die Vereinbarkeit auf einmal zum Wackelkandidaten. 

«Die Doppelbelastung ist für mich eine doppelte Erfüllung», habe ich geschrieben, als ich im Sommer 2016 mit diesem Blog startete. Und ich finde heute noch: Die Kombination von Familie und spannender, fordernder Erwerbsarbeit ist eine unglaubliche Bereicherung für mein Leben.

Wenn alles gut läuft.

Wenn aber an einer Seite des Gefüges gerüttelt wird – sei es durch ein krankes Kind oder durch übermässige Belastung im Büro – dann wird das mit der Vereinbarkeit ein Spiel mit dem Feuer. Dann wird aus «win-win» auf einmal «lose-lose», dann nützt auch das ursprünglich perfekte Modell zur Aufteilung von Arbeits- und Betreuungszeiten nichts mehr.

Prioritäten verschoben

Eine Familie funktioniert wie ein kleines Ökosystem. In Zusammenhang mit der Vereinbarkeit von Familie und Beruf endet dieses System nicht bei den Familienmitgliedern. Es geht weiter in die Arbeitsteams von Vater und Mutter und umfasst auch nahestehende Personen.

Bei mir im Büro ist die Situation die letzten 12 Monate immer mehr in Schieflage geraten. Ich stand auf einmal unter einem Druck, der mit der normalen und von mir absolut gewünschten Leistungskultur nichts mehr zu tun hatte. Sitzungen wurden scheinbar willkürlich und kurzfristig verschoben, meine angebliche Un-Erreichbarkeit wurde auf einmal zum Problem und am Ende hatte ich meine ganze Familie dem Outlook-Kalender meines Büros untergeordnet. Die Stimmung war entsprechend rosig.

Zweifel: das Ende der Vereinbarkeit

Gepaart mit dem Umstand, dass ich in anderen Umständen war und inzwischen das dritte Mädchen unsere Familie bereichert, passierte etwas Spannendes: Ich stellte auf einmal meine Berufstätigkeit in Frage. Wie soll ich das schaffen? Ist das alles richtig so? Oder habe ich mir nur was vorgespielt? Je belastender die Situation im Büro wurde, desto stärker wurden die Zweifel.

Inzwischen konnte ich meine Büro-Situation lösen und freue mich riesig auf meine neue Aufgabe. Und schwupps: die Zweifel sind weg.

Eine einfache Gleichung

Um diese Erfahrung – auf die ich echt gerne verzichtet hätte – reicher, predige ich nun noch stärker als zuvor: Frauen, sucht euch euren Traumjob, damit ihr nach der Geburt der Kinder auch wirklich im Beruf bleibt.

Frauen, sucht euch euren Traumjob,
damit ihr nach der Geburt im Beruf bleibt.

Eine tolle Arbeit, die beflügelt und inspiriert, macht glücklich. Und glückliche Menschen sind bessere Eltern.

Eigentlich wäre es ja wirklich einfach.