Welche Voraussetzungen machen es möglich, dass die Vereinbarkeit von Familie und Beruf kein schmerzhafter Spagat ist? Sondern im Gegenteil richtig Spass macht?

Wie ich es auch drehe und wende – am Ende komme ich immer wieder auf das Gleiche: Selbstbestimmtheit. Seit meiner ersten Schwangerschaft ist dieses Thema mein ständiger Begleiter. Auf privater Seite geht es einerseits um die unzähligen gutgemeinten Ratschläge rund ums Baby. Andererseits nimmt einem das eigene Kind ein grosses Stück dieser Selbstbestimmtheit. Naturgegeben.

Gut geschlafen?

Das fängt schon beim Schlaf an. Ob ich heute Nacht friedlich schlummern werde, hat nur wenig mit mir zu tun. Gerade mit kleinen Kindern ist ununterbrochener Nachtschlaf eine Lotterie. Das ist nicht schlimm – wenn man genügend Puffer einplant und eher zu früh als zu spät ins Bett geht. Und das Gefühl, wenn man nach mehreren schlechten Nächten mal wieder 7 Stunden am Stück geschlafen hat: unbezahlbar.

Doch zurück zur Selbstbestimmtheit. Für mich ist sie der Schlüssel zum Glück. Schon als Kind wollte ich gerne erwachsen sein und nach meinen eigenen Regeln leben können. Es ist bestimmt kein Zufall, dass ich in einem Beruf gelandet bin, in dem eine selbstständige Arbeitsweise zentral ist. Natürlich gibt es auch in meinem Arbeitsalltag gefühlt eine Trillion Abhängigkeiten: Sitzungen, Liefertermine, Antwortmails. Aber meine Energie und Zeit im Grundsatz selbst einteilen zu können, macht einen Grossteil meines beruflichen Wohlbefindens aus. Prioritäten nach meinen Regeln setzen zu können – und dabei berufliche und familiäre Komponenten einzubeziehen, das macht für mich Vereinbarkeit aus.

Selbstständigkeit als Mutter

Ich denke, es ist daher kein Zufall, dass viele berufstätige Mütter den Weg in die Selbstständigkeit wählen. Für mich ist das leider nichts. Direkt nach dem Studium war ich mehrere Jahre auf eigene Rechnung berufstätig – für mein Naturell ist es nicht gesund, wenn ich nicht weiss, wie die Auftragslage und entsprechend die finanzielle Situation in den kommenden Wochen aussehen wird. Ich bin gerne angestellt und es beruhigt mich zu wissen, welche Zahl Ende Monat auf meiner Gehaltsabrechnung stehen wird.

Was ich mir beim Wechsel vom Selbstständigen- ins Angestelltendasein aber beibehalten habe, ist die Arbeitsweise einer Selbstständigen: Meine Projekte und Dossiers liegen mir persönlich am Herzen. Ich will, dass sie gelingen. «Erledigt» ist kein zufriedenstellendes Prädikat. Ein grosser Berg Arbeit macht mir keine Angst, solange ich den nötigen Spielraum habe, diesen zu stemmen.

Optimale Planung von Berufs- und Familienleben

Im Zusammenhang mit der Vereinbarkeit von Familie und Beruf ist eine selbstständige Arbeitsweise zentral: Nur wenn ich meine Arbeitswoche in den Zwischenräumen aller notwendigen Sitzungen und Termine optimal auf unsere Familienagenda abstimmen kann, kann ich mir als berufstätige Mutter die notwendige Leichtigkeit bewahren. Ich bin überzeugt: Wenn sich der Alltag mit einer gewissen Geschmeidigkeit organisieren lässt, wenn auf beiden Seiten Spielraum und Flexibilität vorhanden ist, macht Vereinbarkeit Spass.

Mit Geschmeidigkeit im Alltag macht Vereinbarkeit Spass.

Es gab diese Zeit in meinem Berufsleben, da fühlte ich mich auf einmal wie eine Leibeigene. Das Fremdbestimmtsein dominierte meine Arbeitswoche – der Spass am Spagat Beruf/Familie litt erheblich.

Moderne Arbeitsformen dank Digitalisierung

Das muss nicht sein. Wer einen modernen Arbeitgeber und den richtigen Vorgesetzten hat, wenn Homeoffice und flexibles Arbeiten Selbstverständlichkeiten sind, dann geht das mit der Selbstständigkeit auch im Angestelltenverhältnis.

Von Seiten Arbeitnehmer bedeutet dies natürlich auch, dass die entsprechende Leistungsorientierung vorhanden sein muss. Ich bin der Meinung: Wer viel gibt, darf auch seine Freiheiten einfordern. Denn am Ende zählt 2019 nicht mehr, wer als erster an seinem Schreibtisch sitzt und abends als Letzter das Büro verlässt. Entscheidend ist vielmehr das Resultat.

Man kann über unsere Smartphone-Abhängigkeit schimpfen. Aber für mich als berufstätige Mutter haben Digitalisierung, ständige Erreichbarkeit und Verfügbarkeit grosse Vorteile.

Zusammen mit der richtigen Arbeitskultur lassen sie zu, dass ich auch als Angestellte wie eine Selbstständige arbeiten kann. Und so der Doppelbelastung Familie/Beruf einen Grossteil der Fremdbestimmtheit nehmen kann. Für Vereinbarkeit, die sich leicht anfühlt.